Wie wurde früher Getreide gedroschen?
Soviel ist klar: Mähdrescher wie wir sie heute kennen gab es noch nicht.

Also musste das Getreide auf dem Feld mit der Sense gemäht werden und von Hand
zu so genannten Garben gebunden werden. Eine heute kaum mehr vorstellbare, sehr
harte und aufwändige Arbeit, bei der alle Knechte und Mägde eines Hofes im
Einsatz waren.

Es war schon eine sehr große Erleichterung, als um 1930 die Technisierung der
Landwirtschaft so weit fortgeschritten war, dass diese Arbeit ein Traktor mit
einem Bindemäher übernehmen konnte.
Nach dem Mähen und Binden zu Garben wurde das Getreide zu so genannten
"Mandln" zusammengestellt, welche reihum auf dem gesamten Feld verteilt waren.
Dies war auch erforderlich, weil das damals im Getreide befindliche Unkraut
abtrocknen musste.

Bei gutem Wetter einige Tage später wurde das Getreide auf einen Leiterwagen
nach einem ganz bestimmten System aufgeladen und nach Hause gefahren, um dann
im Stadl zwischengelagert zu werden.
Irgendwann, das kann auch Monate später gewesen sein, kam nun die
Dreschgarnitur auf den Hof, um das Getreide zu dreschen.

Dazu muss man wissen, dass sich kaum ein Bauer selbst einen Dreschwagen mit
Zubehör leisten konnte, da ein solcher Dampfdreschsatz sehr teuer war. So
wurden Genossenschaften gebildet oder die Maschine wurde von einem
Lohnunternehmer betrieben.

Jeder Bauer war natürlich darauf bedacht, dass sein Getreide so bald als
möglich gedroschen wird. Begonnen wurde meist bei den großen Höfen, die
"kleinen" mussten eben warten. Die Maschinisten der Dampfdreschgarnitur haben
bestimmt, wann und wo gedroschen wurde. Kein Wunder, dass die Bäuerin für die
Maschinisten besonders gut gekocht hat...
Die Aufstellung der Dampfmaschine, des Dreschkastens und der zugehörigen
Strohpresse erfordert viel Erfahrung und nimmt einige Stunden in Anspruch.
Sehr oft wurde der Dreschkasten im engen Stadl des Hofes aufgestellt, um von
der Witterung unabhängig zu sein.

Wenn die Sache aber dann läuft, sind viele fleißige Hände erforderlich, um z. B.
das Getreide von Hand in die Maschine einzugeben, die schweren Säcke voller
Körner wegzutragen, das Stroh im Stadl einzulagern, usw.
Die Arbeit des Dreschens war früher hart und staubig. So mussten z. B. die
zentnerschweren Säcke mit den Getreidekörnern auf der Schulter tragend, meist
über enge hölzerne Treppen, in den Getreidespeicher (Troadkasten) getragen
werden.

Gefürchtet war auch das "Maschinenfieber". Der Körper reagierte mit Fieber,
husten und allgemeinem Unwohlsein auf die große Staubbelastung.

In der Regel wurde von 6 Uhr morgens bis spät abends gedroschen, für die
Maschinisten begann der Tag bereits um 4 Uhr früh mit dem Aufheizen des Dampfes
und der Abschmierung des ganzen Dreschsatzes.
Nach meist mehreren Tagen der harten Arbeit war´s endlich geschafft.
Wenn alles gut gelaufen war, wurde dies kräftig mit Most, Dünnbier und einer
guten Brotzeit gefeiert, so dass alle Plag und Müh schnell vergessen war.

Stolz posierte man zu einem Gruppenbild, um die anstrengenden aber dennoch
schönen und abwechslungsreichen Tage festzuhalten.
Es musste aber schon ein größerer Landwirt sein, der sich damals einen eigenen
Traktor mit 2-Schar-Anhängpflug leisten konnte. Die meisten Landwirte in
unserer Gegend mussten noch mit einem Pferdegespann die nötigen Arbeiten
verrichten.



Viele ältere Bauern wollen von dieser harten Zeit heute nichts mehr wissen und
sind froh, dass die Technisierung in der Landwirtschaft die körperlich
anstrengende Arbeit größtenteils ersetzt hat.

Wir selbst haben diese Zeit nicht mehr miterlebt, sondern kennen die
Vorgehensweise nur noch aus Erzählungen. Es gibt aber noch Leute unter uns, die
uns bei unseren Feldtagen stets mit Rat und Tat zur Seite stehen und so ihr
Wissen über die damalige Zeit an uns "Jungen" weitergeben.

So kann ein Stück Kulturgeschichte am Leben erhalten werden und wie wir auf
unseren Vorführungen sehen, erfreut sich dies auch großer Beliebtheit in der
gesamten Bevölkerung.
Die Dreschgarnitur wurde abgebaut und zog zum nächsten Hof, wo sie meist schon
sehnsüchtig erwartet wurde.

Auf dem Hof, wo bereits ausgedroschen war, zog währenddessen der Alltag
wieder ein und man begann damit, die Felder wieder für die nächste Fruchtfolge
vorzubereiten.